Grenzen setzen, NEiN sagen: 15 Fragen, 15 Antworten

Im Januar 2018 habe ich eine Umfrage unter meiner Leserschaft zum Thema „NEiN sagen, Grenzen setzen“ gemacht. Ich saß an der Konzeption meines Online-Kurses „Mehr Mut zum NEiN!“ und wollte wissen, welches die 2 wichtigsten Fragen sind, die unbedingt in diesem Kurs abgedeckt sein sollten.

35 Personen haben teilgenommen und mir über 100 Fragen gestellt. Die 15 häufigsten habe ich nun als Interview aufbereitet in diesem Blogbeitrag beantwortet.

Ich wünsche Dir viel Spaß beim Lesen und freue mich, wenn Du mich am Ende an Deinen Gedanken teilhaben lässt, indem Du mir einen Kommentar hinterlässt. Ich danke Dir! 🙂

1. Ich habe Angst, andere zu verletzen, wenn ich NEiN sage. Wie kann ich diese Angst überwinden

Die Ursache für diese Angst wurzelt meist in einem geringen Selbstwertgefühl

Wenn Du Dich selbst nicht annehmen und wertschätzen kannst, benötigst Du die Anerkennung und Wertschätzung anderer Menschen. 

Halten diese Dich für liebenswert, kannst Du selbst auch glauben, dass Du liebenswert bist. Zumindest so lange, wie die anderen das glauben.

Du machst Dein Urteil über Dich selbst also vom Urteil anderer abhängig. Unter dieser Voraussetzung ist ein NEiN natürlich eine riskante Angelegenheit, denn Du möchtest ja unter keinen Umständen den Glauben Deines Umfeldes an Deiner Liebenswürdigkeit verlieren.

Um dieses Problem an der Wurzel zu packen, musst Du also lernen, wie Du Dich selbst mehr annehmen und wertschätzen kannst. 

Bst Du in der Lage, Dir selbst mehr Wert beizumessen, machst Du Dich unabhängiger vom Urteil und der Zuneigung anderer Personen und kannst Dir in der Folge die Freiheit zugestehen, auch mal NEIN zu sagen.

2. Gehe ich über Leichen, wenn ich meine Grenzen behaupte und verteidige? Oder empfinde nur ich das so?

Je klarer Du Dir selbst über Deine Grenzen bist und sie nach außen kommunizieren und wahren kannst, umso einfacher ist das für Dein Umfeld.

Unsere Grenzen sind Orientierungshilfen – nicht nur für andere, sondern vor allem auch für uns selbst.

Als Metapher ziehe ich hier gerne die Geschichte des Lanzenstechens aus den Ritterturnieren heran. Die kennen wir ja alle aus den Ritterfilmen. 

Zwei Ritter reiten in vollem Galopp aufeinander zu und versuchen sich gegenseitig mit einer Lanze aus dem Sattel zu heben. Die Reitbahnen sind dabei von einer Holzschranke getrennt.

Zu Beginn fanden diese Turniere ohne diese Abgrenzung in der Mitte statt. Dadurch hatten die Reiter aufgrund der eingeschränkten Sicht ihrer Helme keine Orientierung und verschätzten sich häufig in der Distanz zueinander. 

Anstatt nun aneinander vorbei zu reiten und sich mit den Lanzen aus dem Sattel zu heben, krachten sie in vollem Galopp ineinander. Dabei zogen sich Ross und Reiter schwerste Verletzungen zu. 

Um dieses Risiko im Vorfeld zu vermeiden, kam jemand auf die geniale Idee, eine Holzschranke in der Mitte aufzustellen, an der sich die Reiter orientieren konnten. 😀

Von da an wurden den Rittern vor dem Wettkampf eine Seite der Schranke zugewiesen. Daher kommt auch der Spruch „Jemanden in seine Schranken weisen“. 

Ich nutze dieses Bild sehr gerne, um zwei Dinge zu verdeutlichen, die in der Regel bei vorherrschender Angst vor dem Grenzensetzen nicht im Bewusstsein sind:

  1. Keine Grenzen zu setzen kann unter Umständen zu viel schwerwiegenderen Verletzungen führen als welche zu setzen. Setzt Du Grenzen, ent-täuschst Du im schlechtesten Fall jemanden. Das ist langfristig gesehen ja etwas Gutes. Denn Du befreist denjenigen – wie das Wort schon sagt – von einer Täuschung. 
  2. Grenzen setzen ist nichts Negatives oder Aggressives. Es ist einfach notwendig im Umgang mit anderen Menschen, um unnötige Verletzungen zu vermeiden.

3. Wie schaffe ich es, diesbezüglich meinen inneren Kritiker auszuschalten?

Eine gute Strategie ist es, Deinen inneren Kritiker wie einen guten Freund zu betrachten, der es etwas zu gut mit Dir meint.

Wenn Du es mal von dem Punkt aus betrachtest, dass er Dich eigentlich nur beschützen will, damit Du Dich z.B. nicht unbeliebt machst, fällt es Dir leichter, ihm zuzuhören, ohne Dich von ihm diktieren zu lassen.

Wichtig ist, dass Du ihn nicht ignorierst. Das führt meist dazu, dass er lauter und penetranter wird. Zuhören und seine Aussage überprüfen ist hier die hilfreichere Strategie.

  • Ist seine Information hilfreich?
  • Bringt sie Dich weiter?
  • Verhältst Du Dich tatsächlich so, wie er Dir vorwirft, oder macht er Dich nur darauf aufmerksam, dass das Risiko besteht, dass Du Dich falsch verhalten könntest?

Was Du vermeiden solltest, ist, seinen Aussagen unreflektiert Glauben schenken. Dann nimmt er in der Regel zu viel Raum ein und engt Dich in Deinem Handlungsspielraum mehr und mehr ein.

4. Warum ist das schlechte Gewissen und das Schuldempfinden so stark in uns verwurzelt, wenn wir Nein sagen? 

Das ist eine sehr gute Frage. 

Die Bezeichnung „schlechtes Gewissen“ hat in den allermeisten Fällen gar nichts mit unserem Gewissen zu tun. 

Vielmehr handelt es sich dabei in der Regel um die Angst vor negativen Konsequenzen, weil wir z.B. nicht das getan haben, was jemand von uns verlangt oder erwartet hat. 

Man nennt diese Angst auch Strafangst oder Verlustangst. Also die Angst, dass man z.B. nicht mehr geliebt oder sogar verlassen werden könnte, wenn man nicht das tut, was der andere von einem erwartet.

Diese Angst erwächst aus der Vorstellung heraus, dass wir uns an bestimmte Regeln zu halten haben, um ein „guter“ Mensch zu sein. 

Diese Regeln haben wir von unserem ersten Lebensjahr an durch unser Umfeld vermittelt bekommen und dementsprechend ganz tief verinnerlicht. Sie sagen uns, was „richtig“ und was „falsch“ ist.

Wenn wir nun entgegen diesen Regeln handeln, kann es passieren, dass wir Schuldgefühle empfinden. 

Das MUSS nicht passieren. Nicht jeder Mensch reagiert mit Schuldgefühlen. Schuldgefühle sind „hausgemacht“.

Dafür brauchst Du zwei Zutaten:

  1. Du machst Dir Selbstvorwürfe wie z.B. „Ich hätte nicht so ausfallend reagieren dürfen.“ oder „Ich hätte mich mehr um meine Mutter kümmern sollen“ oder „Wie konnte ich nur so dumm sein?“. Du verurteilst Dich und Dein Verhalten also. Und
  2. – Jetzt aufgepasst! Das ist jetzt ganz wichtig, wenn Du Schuldgefühle produzieren willst 😉 – : Neben den Selbstvorwürfen, mit denen Du Dich und Dein Verhalten negativ be- und verurteilst, ziehst Du nun noch den Schluss, dass Du aufgrund dieses Verhaltens nun nicht mehr liebenswürdig bist. Und genau diese Schlussfolgerung lässt Schuldgefühle in Dir entstehen. Du selbst glaubst dann, ein verurteilenswerter und schlechter Mensch zu sein. Und weil Du diesen Gedanken nicht aushältst, sagst Du lieber JA als NEiN, obwohl Du lieber NEiN sagen würdest.

Für Menschen, die Schwierigkeiten haben, sich gesund abzugrenzen und NEiN zu sagen, ist es extrem hilfreich, diesen Unterschied zwischen dem Gewissen und der Strafangst zu erkennen.

Denn das Gewissen ist eine Tugend. Strafangst dagegen ist eine Schwäche.

Indem Du Strafangst als „schlechtes Gewissen“ betitelst, stellst Du jedoch eine Verbindung her, wo es keine Verbindung gibt. Nämlich zwischen einer Schwäche und einer Tugend. Und damit schwächts Du Dich. 

Klebst Du über Deine Unfähigkeit, NEiN zu sagen und für Dich selbst einzustehen, das Etikett „schlechtes Gewissen“ drauf, erklärst Du sie für tugendhaft.

Damit bestärkst Du Dich in Deiner Schwäche.

Du versteckst Dich hinter der vermeintlichen Tugend „schlechtes Gewissen“, um keine Verantwortung für Dich übernehmen zu müssen.

Damit trickst Du Dich ganz schön schlau aus. 😉

Denn – wenn es tugendhaft ist, sich seiner Schwäche zu ergeben, wie könntest Du daran etwas ändern? 

5. Wie definiere ich es für mich, gegen wen und was ich mich abgrenzen will?

Indem Du Dich intensiv damit auseinandersetzt, was Du mit Deinem Leben anfangen möchtest. Was ist Dir wichtig? Wo soll die Reise hingehen?

Viele Menschen leben nicht aus ihrem Inneren heraus. Sie lassen sich leben. 

Sie folgen einem vorgefertigten Plan oder denken, sie sollten diesem Plan folgen – Schule, Studium, Karriere, Ehe, Kinder, Haus – und machen sich gar nicht bewusst, ob das auch das ist, was SIE sich von ihrem Leben wünschen. 

Ich hatte Klienten bei mir sitzen, die scheinbar alles erreicht hatten. Sie waren finanziell abgesichert, hatten eine tolle Familie, einen guten Job, ein eigenes Haus. Und trotzdem waren sie todunglücklich. 

Auf die Frage, was sie ändern würden ohne schlimme Konsequenzen befürchten zu müssen, antworteten fast alle, dass sie beruflich eigentlich etwas anderes machen wollten.

Sie wollten lieber Schneiderin, Straßenbahnfahrer, Physiklehrer, Farmer in Südafrika oder Lama-Züchterin in Schottland sein.

Aber sie tun es nicht, weil der Wunsch-Beruf aus ihrer Sicht gesellschaftlich oder von der Familie nicht angesehen genug, das Gehalt zu niedrig oder die Idee einfach viel zu verrückt scheint.

Den Preis, den wir bezahlen, wenn wir nicht unseren innersten Wünschen folgen, ist sehr hoch und nicht mit Geld aufzuwiegen. 

Je weiter wir uns von unseren Wünschen wegleben, umso deutlicher machen uns unser Körper und unsere Seele im Laufe unseres Lebens darauf aufmerksam, indem sie in den Streik treten und uns krank werden lassen.

Das Gleiche gilt für unsere Werte.

  • Wie bewusst Bist Du Dir, welche Werte für Dich wirklich wichtig sind?
  • Habe Du Deine Werte ungefragt übernommen?
  • Oder hast Du Dich ganz bewusst für sie entschieden?
  • Sind Deine Werte (noch) aktuell?
  • Sind es DEINE Werte?

Das sind ganz wichtige Fragen, für deren Beantwortung sich viele Menschen keine Zeit nehmen und deren Bedeutung für die Zufriedenheit und Erfüllung in ihrem Leben sie weit unterschätzen.

Wenn Du klar binbist was Du Dir von Deinem Leben wünschst und was Dir wichtig ist, dann weißt Du automatisch, wovor oder gegen wen Du Dich abgrenzen möchtest.

Nehmen wir beispielsweise den Wert „Nachhaltigkeit“, der zur Zeit in aller Munde ist. Ist Dir dieser Wert sehr wichtig, solltest Du niemals für ein Unternehmen arbeiten, das diesen Wert mit Füßen tritt. 

Bin Du Dir jedoch nicht bewusst, dass Dir dieser Wert sehr wichtig ist und Du beginnst Deine Arbeit in diesem Unternehmen, setzt Du Deine Gesundheit und Dein Wohlbefinden aufs Spiel. Denn mit Deiner Arbeiotsaufnahme in diesem Unternehmen hast Du Dich in ein Wertekonflikt begeben, den Du jeden Tag, den Du zu Deiner Arbeit fährst, aufs Neue schürst.

Die Arbeit betreffend sind bei vielen vor allem Werte wie „Respekt“, „Wertschätzung“ und „Menschlichkeit“ wichtig. Wenn wir uns nicht erlauben, diese Werte zu leben, machen wir uns auf Dauer krank, weil wir gegen unser innerstes Selbst arbeiten.

6. Wie schütze ich meine Grenzen und wie grenze ich mich beispielsweise von negativen Menschen ab, denen ich leider nicht aus dem Weg gehen kann? Arbeitskollegen, Bekannte, Familie

Deine Grenzen schützt Du, indem Du sie Dir bewusst machst, sie nach außen kommunizierst und auch bereit bist, für sie einzustehen. Das bedeutet, Du musst lernen, Deine Grenzen zu identifizieren und musst die Bereitschaft für Konflikte mitbringen, wenn jemand mit einer Deiner Grenzen nicht einverstanden ist.

Versuche bei negativen Menschen auf gar keinen Fall, sie auf ihre Negativität hinzuweisen. 

Jemand, der daran glauben möchte, dass diese Welt ein schlechter Ort ist, wird unzählige Beweise dafür finden. 

Wenn Du Personen auf ihre Negativität aufmerksam machst, verstärkst Du meist ihre Bemühungen, Dir beweisen zu wollen, dass sie im Recht sind.

Ihnen aus dem Weg zu gehen, ist auch nur bedingt möglich. Familienmitglieder gehören nunmal zur Familie und Kollegen kann man sich ja meistens auch nicht selbst aussuchen.

Der beste Weg ist, auf sich selbst fokussiert zu bleiben und sich seine positive Einstellung zu bewahren. Denn genauso, wie die andere Person Beweise für die Schlechtigkeit dieser Welt sucht, suchst Du Beweise für das Gute.

Erlaube Dir und dem anderen, dass eure Sichtweisen nicht dieselben sein MÜSSEN und dass das ok ist.

Respektiere, dass die Wahrheit dieser Person anders ist als Deine eigene. Das möchtest Du ja auch für Dich selbst.

Falls ein konfliktfreier Umgang jedoch nicht möglich ist oder Dich die Negativität einer Person einfach zu sehr belastet, kann manchmal tatsächlich das Beste sein, den Kontakt zu dieser Person abzubrechen.

Handelt es sich dabei um eine/n Familienangehörige/n, ist dieser Schritt besonders schwer. Doch

  1. muss ein Kontaktabbruch nicht für die Ewigkeit sein und
  2. tust Du es für DICH und nicht gegen die/den andere/n. Du tust es aus Selbstschutz und Selbstliebe, nicht, um die/den andere/n zu bestrafen.

7. Das Abgrenzen gegenüber meiner Mitwelt ist wichtig. Was ist noch Selbstwert und wo beginnt der Egoismus? Was ist der entscheidende Unterschied?

Selbstwert ist gesunder Egoismus. 

Egoismus im negativen Sinne, wie wir ihn im Allgemeinen verstehen, entsteht aus mangelndem Selbstwert und hat immer etwas Zwanghaftes. Entweder, indem er sich über andere stellt oder unterordnet.

Der entscheidende Unterschied besteht in der inneren Haltung und der Freiwilligkeit.

Ein Mensch mit einem hohen Selbstwertgefühl weiß, wer er ist und was er kann. Er hat es nicht nötig, sich über oder unter andere Personen zu stellen. Grenzt er sich ab, hat er sich bewusst für diesen Weg entschieden, um sich selbst treu zu bleiben und nimmt auch in Kauf, dass sein Gegenüber ungehalten reagieren könnte.

Ein egoistischer Mensch versucht sich sein Selbstwertgefühl durch andere zu verschaffen. 

Beim aufgeblasenen Typ ist es offensichtlich. Er wird allgemein auch mit Egoismus im negativen Sinn assoziiert. 

Wir benutzen den Begriff „Egoismus“ ja meistens abwertend und meinen damit rücksichtsloses Verhalten. Oder unanständiges Verhalten.

Es gibt aber noch einen anderen Typen, der genauso egoistisch ist, nur dass er eine andere Strategie wählt. Und zwar den allzeit Hilfsbereiten, der nie NEiN sagen kann. 😉

Eines Tages habe für mich erkannt, dass ich mich sehr egoistisch verhalte, wenn ich mich nicht traue, NEiN zu sagen, obwohl ich es meine.

Denn ich wähle ja nicht freiwillig, nicht NEiN zu sagen. Sondern ich fühle mich durch meine Angst, nicht mehr geliebt zu werden, dazu gezwungen. 

Um es mal ganz krass zu formulieren: 

Ich benutzte die andere Person, um mir das Gefühl von Anerkennung und Liebe zu verschaffen, das ich mir selbst nicht geben konnte. Das tat ich, indem ich ihr eine Bitte oder einen Gefallen erfüllte, obwohl ich das eigentlich nicht wollte.

Auf diese Weise knüpfen wir an den anderen eine riesige Erwartungshaltung, die ein unglaublich großes Konfliktpotential in sich trägt.

Denn was passiert, wenn Du etwas tust, was Du eigentlich nicht willst, und die andere Person zeigt sich dann nicht dankbar? 

Na klar, dann gibt’s Ärger! Denn dann bist Du enttäuscht und/oder verletzt, vielleicht sogar wütend und fühlst Dich ausgenutzt. Jetzt hast Du Dich schon dazu durchgerungen, dieser Person zu helfen, obwohl Du das nicht wolltest und nun zeigt die sich noch nicht mal dankbar. Unverschämt! 😉

Dabei übersehen wir gerne, dass die andere Person uns nicht dazu gezwungen hat, ihr zu helfen. Die Entscheidung zu helfen fällst Du ganz allein. Häufig weiß die andere Person noch nicht mal, dass Du ihr eigentlich gar nicht helfen wolltest.

Es ist also gar nicht so selbstlos von Dir, anderen Personen zu helfen, weil Du Dich nicht traust, NEiN zu sagen. Ganz im Gegenteil.

Es ist sogar sehr egoistisch, weil Du nicht bereit bist, die Verantwortung für Dich selbst zu übernehmen. 

Anstatt Dich zu entscheiden, Dir selbst die Liebe und Anerkennung zu geben, die Du brauchst, um ein zufriedenes und selbstbewusstes Leben führen zu können, bürdest Du diese Aufgabe Deinem Umfeld auf.

Stop it!

8. Das eigene Abgrenzen wird vom Umfeld meist als schlecht bezeichnet und negativ gewertet. Wie siehst Du das?

Ja, das ist auch eine Erkenntnis, die viele meiner Klient*innen immer wieder machen: Da lernen sie endlich auf sich zu achten und NEiN zu sagen und dann kommt statt Applaus und Schulterklopfen Gegenwind. 😀

An dieses Gefühl kann ich mich selbst auch noch sehr gut erinnern. Das war jedoch nicht pauschal bei allen so.

Also zunächst einmal sind viele überrascht, wie selbstverständlich ihre Grenzen akzeptiert werden, wenn sie sich endlich aml trauen würden, diese klar und selbstbewusst zu kommunizieren.

Dass das in den seltensten Fällen Bewunderung in Deinem Umfeld auslöst, sollte Dich dabei nicht davon abhalten. 😉 Wenn Du Dich für einen kurzen Moment in ihre Lage versetzt, wirst Du ihre Reaktion verstehen und es wird Dir helfen, Deine Grenze zu halten.

Wenn Dein Umfeld daran gewöhnt ist, in Dir immer einen Helfer und JAsager zu haben, dann kann die Reaktion auf Dein NEiN anfänglich verstörend auf sie wirken.

Das ist i.d.R. nicht böse gemeint und schon gar nicht gegen Dich persönlich. Doch was macht Dein NEiN mit den Menschen in Deinem Umfeld? Es wirft sie auf sich selbst zurück.

Auf einmal wird es ungemütlich(er) für sie. Bisher konnten sie sich darauf verlassen, dass Du alles für sie regelst oder immer zur Hilfe warst, wenn sie Dich brauchten.

Und „plötzlich“ ist das nicht mehr so. Da kann es für den ein oder die andere auf einmal ziemlich ungemütlich werden. 😉 Denn nun müssen sie sich entweder selbst um ihre Dinge kümmern oder schnellstmögloich einen Ersatz für Dich finden. Das ist übrigens auch der Grund, weshalb sich einige in Deinem Umfeld dann von Dir abwenden werden.

Doch weine ihnen nicht hinterher. Wenn Du für sie nur dann gut genug bist, um ihre „Drecksarbeit“ für sie zu erledigen, dann kannst Du auf sie getrost verzichten. Diese Menschen sind kein großer Verlust.

Der Widerstand ist also mehr darauf gerichtet, die eigene Bequemlichkeit verlassen zu müssen als gegen Dich persönlich.

Nicht persönlich nehmen ist hier vielleicht der wichtigste Aspekt. Und auch die Tatsache akzeptieren, dass ein NEiN auch für Dich erstmal unbequem sein kann. Das ist normal, wenn man seine Komfortzone verlässt. 🙂

9. Ist Egoismus grundsätzlich schlecht? Oder manchmal notwendig für die Abgrenzung? 

Ein gesunder Egoismus, oder anders ausgedrückt: Selbstliebe ist absolut notwendig, um gesund zu bleiben.

Es heißt ja auch „Liebe Dich selbst wie Deinen Nächsten.“ 

Also selbst die Kirche gesteht uns ein Mindestmaß an Selbstliebe und Egoismus zu und macht uns deutlich, dass wir uns selbst nicht unter den Wert eines anderen stellen sollen.

Egoismus ist übrigens nicht mit Egozentrik zu verwechseln. Ein Egozentriker sieht sich selbst als Nabel der Welt und misst alle Menschen und alle Dinge immer an sich selbst und seiner Sicht auf die Welt. Ihm geht komplett die Fähigkeit verloren, sich in andere Menschen hineinversetzen und andere Meinungen neben seiner bestehen lassen zu können.

10. Ist Egoismus nicht nur das Empfinden meiner Mitwelt, die nicht akzeptieren will, dass ich durch verstärktes Abgrenzen und vermehrtes NEiN sagen nicht mehr als *** zur Verfügung stehe?

Ja, na klar!

Es gibt natürlich Menschen, die verärgert reagieren, wenn Du nicht oder nicht mehr tust, was sie sich von Dir wünschen oder von Dir erwarten. 

Hier wirst Du dann schnell als egoistisch und kaltherzig bezeichnet. Wenn allerdings jemand so auf Dich reagiert, dann ist die Gegenfrage erlaubt, wer sich jetzt gerade egoistisch und kaltherzig verhält. 😉

11. Daraus resultierend muss ich mir überlegen, wie ich mit manipulativen Menschen umgehe, die mir das Gefühl geben, ich würde – in ihren Augen – alles falsch machen?

Ja, es ist absolut hilfreich, verschiedene Manipulationstechniken zu kennen und zu wissen, wie ich darauf reagieren kann.

12. Wie erkenne ich Manipulation und wie kann ich mich dagegen wehren?

Manipulation erkennst Du im Wesentlichen daran, dass Du Dich unwohl fühlst. Dass Du das Gefühl hast, im Verhalten Deines Gegenübers ist irgendetwas nicht ganz koscher und Du es jedoch irgendwie nicht greifen kannst.

Das ist ja das Fiese an Manipulation. Sie ist schwer bis gar nicht zu greifen.

Manipulation kommt z.B. häufig als Verknüpfung eines Komplimentes mit einer Forderung vor.

Also z.B. „Jana, kannst Du das bitte machen. Keiner kann das so gut wie Du!“

Da fühlen sich viele so geschmeichelt und gleichzeitig so in ihrer Verantwortung angesprochen, dass sie sich quasi dazu gezwungen fühlen, die Aufgabe zu übernehmen. 

Hier wäre es z.B. hilfreich zu sagen „Vielen Dank für das Kompliment! Leider habe ich dafür gar keine Zeit. Ich bin sicher, es wird sich jemand anderes finden, der das mindestens genauso gut machen kann.“

So oder so ähnlich kann man die Verantwortung wieder zurück geben.

13. Wie erkenne ich, dass Hilfesuchende nicht nur ihren Rucksack mit seelischem Müll bei mir abstellen wollen, sondern wirklich selber an einer Lösung interessiert sind und aktiv zur Verbesserung der Situation beitragen wollen?

Indem Du beobachtest, was die Person mit den Lösungsvorschlägen macht, die sie aus ihrem Umfeld erhält. 

Möchte sie einfach nur jammern oder möchte sie tatsächlich auch etwas verändern?

Ein schöner Leitspruch diesbezüglich ist:

Möchte jemand etwas verändern, sucht er Wege.

Möchte jemand nichts verändern, sucht er Gründe.

Wenn Du mit einer Person also mehrere Lösungsmöglichkeiten durchgehst und diese Person selbst nicht aktiv mitdenkt und auf jeden Vorschlag mit einem „Ja, aber…“ reagiert, dann lass sie. Auch, wenn es Dir schwer fällt.

Solange sich jemand im „Ja, aber…“-Modus befindet, ist er oder sie noch nicht so weit, den Schritt in eine neue Richtung zu gehen.

Daran ist nichts Verwerfliches – solange diese Person sich dessen bewusst ist und die Verantwortung dafür übernimmt, dass sie gerade feststeckt.

Ihr Fokus liegt dann auf den Dingen, die sie am Weiterkommen hindern. 

In diesem Fall musst Du Dich entscheiden, ob Du die Zeit und Mühe investieren möchtest, die Person irgendwie dazu zu bringen, ihren Fokus auf mögliche Alternativen zu verlagern. Oder ob Du Dich lieber im Vertrauen übst, indem Du die Person ihrer Verantwortung für ihr Leben überlässt und ihr zutraust, zu gegebenem Zeitpunkt die für sie stimmige Lösung zu finden.

14. Wie konditioniere ich mich, wirklich NEiN zu sagen wo ich NEiN sagen will?

Indem Du Dir absolut klar darüber bist, was Du willst und was Dir wichtig ist im Leben. Vor allem auch, WARUM Du es möchtest und WARUM es Dir wichtig ist.

Wenn Du Dein WARUM gefunden hast, hast Du Zugang zu Deinen innersten Wünschen und Träumen. Dann weißt Du ganz genau, was Du als Deine Aufgabe in diesem Leben siehst. Dann findest Du in allem einen Sinn, was Dir widerfährt.

Bist Du Dir klar über Dein WARUM, erkennst Du Deinen Weg. 

Damit meine ich nicht, dass Du ein glasklaresBild davon hast, wie genau dieser Weg aussieht. Doch Du kannst ihn erspüren. Dein WARUM ist sozusagen Dein Kompass, der Dich leitet, den Weg zu finden, der FÜR DICH der richtige ist. Er gibt Dir über Deinen Körper unmissverständlich zu verstehen, was Du willst und was nicht.

Die meisten wissen übrigens ziemlich genau, was sie nicht wollen. Fragst Du sie dagegen, was sie wollen, wissen sie es nicht oder trauen es sich nicht, es laut auszusprechen.

15. Zum Schluss noch eine wichtige Frage:  Was kann ich täglich dafür tun, um NEiN zu sagen und mich abzugrenzen?

Indem Du Dich bei allem was Du tust fragst, ob Du das, was Du tust, auch wirklich tun möchtest.

Wenn Du dann bei einer Tätigkeit z.B. mehrere Tage hintereinander feststellst, dass Du sie eigentlich nicht tun möchtest, dann lass sie. Frage Dich, was Du stattdessen tun möchtest.

Wir haben nur dieses eine Leben. Und es kann jeden Moment vorbei sein.

Es findet JETZT statt. Nicht morgen, nicht nächstes Jahr, nicht, wenn wir im Ruhestand sind.

Wenn wir JETZT nicht tun, was wir tun möchten, wann dann?

__________________________________________

Ich hoffe, Du konntest Dir aus diesen Antworten den ein oder anderen Impuls mitnehmen, der Dir weiterhilft. Ich wünsche es Dir von Herzen! ♥︎

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Showing 6 comments
  • Brigitte

    Vielen lieben Dank für die tollen Antworten!
    Besonders Frage 7 hat mich jetzt gerade total wach gerüttelt…es ergeht mir oft so, dass mir mein Gegenüber undankbar erscheint.
    Ich habe ich das noch nie gesehen, dass sich die ganze Situation umkehren kann…

    Die Fragen 14 und 15 werde ich mir definitiv auch zu Herzen nehmen, einfach weil es gut tut! ☺️

    • Jana

      Ganz herzlichen Dank für Deine Worte, liebe Brigitte! 🙏🏻💕
      Die Egoismus-Frage war auch für mich ein totaler Wachrüttler in meinem Leben. Es freut mich, dass Du Dir hier wertvolle Impulse mitnehmen konntest. 😊

  • Ulrike

    Du schreibst mir aus der Seele. Das bin ich, der da immer so reagiert. Du hast mich wachgerüttelt und ich werde versuchen mein eingebranntes Ja-Muster zu ändern. Danke Jana

    • Jana

      Herzlich gerne, liebe Ulrike! 💕
      Und gratuliere für Dein Vorhaben. Damit Du Dein Vorhaben auch tatsächlich in die Tat umsetzt und dran bleibst, empfehle ich, Dir Unterstützung und Ermutigung an die Seite zu holen. Z.B. durch meinen 6-wöchigen Online-Kurs „Mehr Mut zum NEiN!“, der am 17. März 2019 startet. Bis zum 31.01. kannst Du zum Early Bird von 297,50 Euro inkl. dabei sein. Sehen wir uns dort?
      Herzliche Grüße,
      Jana

  • Heike

    Ich fühle mich gerade, als ob ich in einen Spiegel gucke … ich habe mich gleich mal zu Deinem Training angemeldet … ich möchte unbedingt etwas ändern … ich mag wie Du schreibst, so offen und genau auf den Punkt … ich habe schon sehr viel aus Deinen Videos, aus Deinem BLOG, Newsletter und allem was Du so an Tipps mit auf den Weg gibst für mich mitgenommen … aber lesen ist das Eine und machen und ins Handeln kommen, das Andere … Danke liebe Jana für Deine Impulse

    • Jana

      Liebe Heike,
      wie wundervoll, von Dir zu lesen. 🤗
      Und wie wundervoll, dass Du Dich zum Training angemeldet hast. Dort wirst Du sicherlich einiges für Dich mitnehmen können. 💕✨
      Es freut mich sehr, zu lesen, dass Dir meine Impulse weiterhelfen. Und ja, Du hast Recht, lesen und mit dem Kopf verstehen oder Handeln und mit dem Körper begreifen – dazwischen liegen Welten.
      Ich freue mich, im Februar mit Dir gemeinsam arbeiten zu dürfen. Vielen, vielen Dank, dass ich Dich auf Deinem Weg begleiten darf! 🙏🏻
      Sei herzlich gegrüßt,
      Jana

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