Ans Limit gehen nur Feiglinge

Vom Grenzen setzen und Limit erreichen

Sicherlich kennst Du berufliche Situationen, die Dich an Dein Limit bringen. Zeiten, in denen Dein Kopf so voll ist, dass Du nichts mehr in ihn rein bekommst. In denen Du Deinen Körper nur noch mit Ach und Krach davon abhalten kannst,  krank zu werden und Dich lahm zu legen.

Wie weit bist Du dann noch bereit zu gehen?

Eine frühere Kollegin und sehr gute Freundin fand sich nach anfänglichem Aufbäumen mit solchen Momenten ab, indem sie sich ihnen beugte. Sprich: Sie arbeitete so lange weiter bis ihr Körper kapitulierte.

Sie spürte, dass sie ihr Limit erreicht hatte und brachte dies unserem Chef gegenüber auch unmissverständlich zur Sprache. Sie teilte ihm mit, dass sie so lange weitermache, bis ihr Körper nicht mehr könne. Wenn es so weit kommen würde, würde sie sich krankschreiben lassen und erst wieder kommen, wenn sie vollständig auskuriert sei.

Wow! Was hab ich sie für ihre Klarheit und ihren Mut bewundert.

Fragst Du Dich jetzt, was daran so bewundernswert ist?

Sei stark!

Ich mich heutzutage auch. Damals beneidete ich meine Freundin dafür, dass sie so klar ihre Grenze ziehen konnte. Und sie dann auch konsequent einhielt. Ich war dazu nicht in der Lage.

Ich bewunderte sie auch für ihren Mut, unserem Chef praktisch eine Drohung auszusprechen: Wenn das hier so weitergeht, bin ich weg. Und bleibe weg!

Für mich war das eine beachtliche Leistung. Ich hatte diesbezüglich keine Grenze. Krankheit war für mich kein Grund, zu Hause zu bleiben. Das Gefühl der Überforderung schon gar nicht!

Lange Zeit bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, dass eine Überforderung vielleicht darin begründet liegen könnte, dass die Anforderungen von außen einfach viel zu hoch waren. In unserem Fall damals z.B. in Form einer unklaren teilweise nicht vorhandenen Führung.

Mein Fokus lag auf mir: Wenn Du das nicht schaffst, dann liegt das an Dir. Und wenn Dir etwas unklar ist, dann bist Du einfach zu blöd, um es zu verstehen.

Da ist er wieder, mein Hauptantreiber: Sei stark! Du musst immer alles schaffen! In der Folge trieb ich mich immer unerbittlicher an, stellte viele Fragen, um Klarheit zu erhalten und hinterfragte vieles. Leider half dies nichts. Ganz im Gegenteil.

Zu viel? Gibt’s nicht!

Nie im Leben aber wäre ich auf die Idee gekommen zu äußern, dass es mir zu viel wird.

Vom körperlichen Aspekt war es mir auch nicht zu viel. Aber psychisch. Zwischenmenschlich war bei uns die Hölle los. Und die Leitung mischte kräftig mit.

Da ich hochsensitiv veranlagt bin, bekomme ich die Launen aus meiner Umgebung sehr stark mit. Bei uns vibrierte die Luft geradezu vor negativen Energien.

Neid, Hohn und Triumph waren bei uns sehr laut unterwegs. Flankiert von Wut, Verzweiflung, Trauer und Einsamkeit. Was haben wir in der Garderobe aus Wut und Kummer geweint. Und gezetert. Gestritten. Geneidet. Geflucht. Phasenweise für mich kaum auszuhalten.

Ehrliches Interesse aneinander, wirkliche Freundschaft und Hilfsbereitschaft waren auf sehr vorsichtigem Fuße unterwegs. Wir waren wie ein Haufen wildgewordener Kindergartenkinder deren Leitung lieber Mittagspause machte anstatt sich die Mühe zu machen, Ordnung und Struktur in die Gruppe zu bringen. 

Innerlich zog ich mich immer weiter in mich zurück. Begann zu resignieren. Gleichzeitig kämpfte ich gegen diese aufkommende Gleichgültigkeit in mir an. Ich hielt an meinem Engagement fest, obwohl ich merkte, dass es für mich besser wäre, dies nicht zu tun.

Krank? Gibt’s schon gar nicht!

Ich begann, mein Privatleben mit wenigen Ausnahmen ganz strikt von meinem Arbeitsleben zu trennen. Dazu gehörte auch, krank zu werden.

Krank werden zählte zum Privatleben und ging niemanden etwas an. Also wurde ich entweder nicht krank oder es zählte für mich einfach nicht.

Hatte ich mir einen Infekt eingefangen, wurde er wegtrainiert. Schwitzen ist ja bekanntlich gut. Um Verletzungen wurde drumrum trainiert. Schmerzen wurden nahezu vollständig ignoriert, so lange dies durchführbar war.

Krankheit konnte mich nur dann lahm legen, wenn ich wirklich nicht mehr imstande war, mich zu rühren. Und diese Fälle waren äußerst dünn gesät.

Bis zu meinem Burnout.

JEDER hat ein Limit

Das Burnout erlaubte mir, loszulassen.

Das erste Mal erkannte ich an, dass es für jeden ein Limit des Aushaltbaren gibt. Auch für mich. Dass ich Grenzen hatte, die nicht überschritten werden wollten. Und auch nicht sollten.

Die Erfahrung, dass die Welt bestehen bleibt und sich weiter dreht, wenn ich mal nicht funktionierte, war unbeschreiblich. Und dass das für andere gar kein so großes Ding ist. Dass es die meisten noch nicht mal mitbekommen. WIE GEIL WAR DAS DENN BITTE?

Ich begann, Verantwortlichkeiten an die Personen abzugeben, die eigentlich dafür zuständig waren. Ich kann Dir sagen, es war eine soooo wahnsinnig lehrreiche Zeit. Wie sich die Gruppe um mich herum neu organisieren musste, weil ich nicht mehr bereit war, meine alte Rolle weiter zu spielen, war wirklich hochinteressant.

Hier liegt meiner Meinung nach übrigens eines der Hauptprobleme, mit denen sich Burnout-Betroffene herumschlagen: Dein Umfeld lässt es in der Regel nicht einfach so zu, dass Du Deine Rolle wechselst. In der Regel ist das für Deine Mitmenschen nämlich sehr unangenehm, weil Du sie mit Deiner Veränderung in ihre Verantwortung zwingst.

Genau das passierte bei mir. Ich lernte, Verantwortlichkeiten dort hinzugeben, wo sie hingehörten. Das gefiel anfänglich vielen überhaupt nicht und verzögerte den Arbeitsablauf in einigen Fällen nicht unerheblich. Aber das war mir schnurzpiepegal ?

Um ehrlich zu sein verschaffte es mir diebisches Vergnügen, einerseits die Verantwortlichen ihrer Verantwortung zu überlassen und andererseits die um Rat Suchenden an die Verantwortlichen weiterzuleiten.

Ich war nicht mehr bereit, diese Rolle zu füllen.

Der Wandel

Natürlich musste ich lernen zu akzeptieren, unperfekte Dinge stehen zu lassen. Das ist für mich bis heute eine Herausforderung ?

Da ich ja aber für das Ergebnis nicht verantwortlich war und meine Mitarbeit an dieser Stelle auch als störend empfunden wurde, fiel es mir nach einiger Zeit relativ leicht.

In diesem Moment meiner Tanzkarriere entschied ich mich, mich von einer begeisterten, sehr engagierten und leidenschaftlichen Tänzerin zu einer Tänzerin zu verwandeln, die Dienst nach Vorschrift tat.

Leidenschaft und Begeisterung hob ich mir für meinen Part und die Bühne auf. Das Gesamtstück wurde mir egal. Hauptsache, meine Sachen liefen. Befriedigend war das nicht, aber sehr viel weniger stressig. Kommt Dir das bekannt vor?

Ich bin absolut keine Arbeit-nach-Vorschrift-Arbeitnehmerin, nie gewesen. Dafür macht mir arbeiten einfach viel zu viel Spaß und ich bin viel zu neugierig und möchte ständig Neues probieren und lernen. Manchmal ist diese Art zu arbeiten aber für Menschen wie mich die einzige Art, um sich vor einem weiteren Burnout zu schützen.

Rolle sollte neu vergeben werden

Was ich sehr interessant fand war folgende Beobachtung: Da ich nicht mehr bereit war, meinen Part zu spielen und mich komplett aus der Verantwortung zog, die nicht die meine gewesen war, übernahm die Leitung nun nicht etwa Anstrengungen, diese Verantwortung selbst zu tragen, sondern suchte eine neue Person, die diese Rolle übernehmen sollte.

Eine damals sehr junge Kollegin wurde dafür ausgesucht. Die war allerdings ziemlich auf Zack. Als man ihr sagte, sie solle einer anderen Kollegin die Choreographie ihres Solos beibringen, weigerte sie sich. Obwohl das im Arbeitsalltag üblich ist, seinen Kollegen bei der Einstudierung von Schrittmaterial zu helfen, ist man vertraglich nicht dazu verpflichtet.

Sie berichtete mir von dem Versuch, sie zu überreden, indem man ihr mitteilte, ich hätte das ja auch gemacht. Ihre Antwort finde ich bis heute grandios: „Ja, Jana möchte auch immer nett sein. Ich möchte aber nicht nett sein!“ ?

Hut ab! Die Kollegin war damals 19. Hammer!

Als sie mir davon berichtete, tat sie mir damit einen Riesengefallen. Zum Einen fasste sie meine Intention in Worte und zum Anderen lernte ich, dass ich das Recht darauf habe, nicht nett sein zu müssen. Und auch nicht hilfsbereit. Auch wenn ich das gerne bin.

Grenzverschiebung

Die Welt drehte sich also weiter, wenn ich mal nicht funktionierte. Was für eine wundervolle Erfahrung!

Endlich konnte ich es mir erlauben, mich bewusst aus dem Geschehen herauszuziehen. Durchatmen und neue Kraft schöpfen, wenn ich merkte, dass ich es brauchte.

Meine Grenze verschob sich von „lahmgelegt“ ganz weit nach vorne zu „Ich brauch mal eine Pause“.

Grandios!

Mir wurde etwas sehr Wichtiges bewusst: Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen Grenze und Limit!!!!

Meine Grenze wähle ich selbst. Mein Limit ist vorgegeben. Das Limit ist das zu diesem Zeitpunkt maximal für mich Erreichbare.

Mit gesund gesetzten Grenzen kann ich es bewusst vermeiden, bis an mein Limit zu gehen. Das schützt mich vor unnötigem Stress und damit vor Burnout.

Die Entscheidung, in einem bestimmten Bereich Deines Lebens bis an Dein Limit zu gehen, ist eine bewusste Entscheidung. Irgendwann in Deinem Leben hast Du sie gefällt und nimmst sie mittlerweile gar nicht mehr bewusst war, weil sie ein Teil von Dir geworden ist.

In welchem Bereich Deines Lebens gehst Du regelmäßig an Dein Limit? Tut es Dir gut?

Warum warten, bis das Limit erreicht ist?

Nach meinem Burnout fand ich meine Freundin nicht mehr so heroisch mit ihrer Grenze.

Auf einmal konnte ich sehen, dass ihre Grenze eigentlich ihr Limit war und fragte mich:

Warum warten bis Du Dein Limit erreicht hast? Und vor allem: Für wen?

Überprüfe für Dich einmal, welche Deiner Grenzen wirklich echte Grenzen sind. Und bei welchen Grenzen es sich eigentlich um Dein Limit handelt.

Selbst gewählte Grenzen haben sehr viel mit Selbstverantwortung zu tun. Du verantwortest, dass Du im Außen auf Nichtakzeptans Deiner Grenzen stoßen könntest, weil Deine Gründe für Dein Gegenüber nicht erkennbar sind.

So what? So lange Du Deine Gründe kennst, hast Du allemal das Recht, Deine Grenzen dort zu setzen, wo Du sie benötigst, um Dich wohl zu fühlen und gesund zu bleiben.

Werde Dein eigener Held

Das Limit als Grenze zu wählen wird in unserer Gesellschaft ja fast schon als heroisch betrachtet. Ich sehe darin mittlerweile einfach nur noch eine Vermeidungstaktik, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Bis ans Limit gehen Feiglinge, keine Helden.

Helden stehen für sich ein. Sie achten darauf, dass es ihnen gut geht und dass das auch so bleibt.

Feiglinge benutzen ihr Limit, um eine Berechtigung zu haben, sich rauszuziehen. Sie verschwenden eine unglaubliche Kraft-Ressource, um bloß nicht für sich selbst einstehen zu müssen.

Wer schonmal bis an sein Limit gegangen ist, weiß, wie lange es dauert, bis dieses endlich erreicht und mit wieviel Qual und Leid das verbunden ist.

Und das alles nur, weil Du  Schiss davor hast, für Dich selbst zu sorgen?

Wenn Du Dich nicht um Dich sorgst, wer dann??

Scheiß auf das „Heldentum“ und werde ein richtiger Held. Dein Held. Hör endlich auf, darauf zu warten, dass einer kommt und Dich rettet.

Werde Dein eigener Held und rette Dich selbst. Du wirst viele, viele helfende und unterstützende Hände auf dieser Deiner Heldenreise finden. Aber retten musst Du Dich selbst!!

Grüße von einem Halb-Feigling

Ich habe mich vor 12 Jahren bewusst auf meine Heldenreise begeben, von der ich in meinem Blog hier in Ausschnitten berichte.

Eine Heldin bin ich noch lang nicht, aber so ein richtiger Feigling auch nicht mehr. ?

Wenn Du Lust hast, mehr Unterstützung von mir bei Deiner Metamorphose vom Feigling zum Helden zu bekommen, dann schau in meinen Angeboten, ob etwas für Dich dabei ist.

Gerne kannst Du mir auch schreiben. Ich freue mich über jede Nachricht von Dir und beantworte sie auch supergerne!

Hab Freude im Leben und am Leben!

Sei herzlich gegrüßt,

Jana

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Photo by Kinga Cichewicz on Unsplash

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